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Evangelische Kirchengemeinde Hirzenhain



Die Geschichte der Steinberger Weidenkirche

aus: Festschrift zur Einweihung der Steinberger Weidenkirche 2003
Die Vorgeschichte

Der Kirchengemeinde Hirzenhain/Steinberg gehört die prächtige ehemalige Augustiner-Klosterkirche in Hirzenhain. Einmal im Monat wird im Steinberger Bürgerhaus ein Gottesdienst gefeiert. Immer wieder wurde in Steinberg der Ruf nach einer Kirche oder wenigstens einem Raum, der einen feierlichen Rahmen bietet, laut. Ein Steinberger Gotteshaus müsste aber etwas ganz Besonderes sein, um neben der schönen alten Kirche bestehen zu können.
Im Eigentum der Kirchengemeinde steht ein Obstbaumgrundstück in der Gemarkung Steinberg mit der Flurbezeichnung "Am Michels Rain". Somit war das Bauland für die "Kirche auf dem Steinberg" vorhanden......
Der Naturkünstler Thomas Hofmann aus Burkhards trat im Jahre 2002 an die Gemeinde heran mit der Idee, ein Naturkunstwerk - eine Weidenkirche - zu bauen. Für die Verwirklichung hatte er bereits konkrete Vorstellungen, was fehlte, waren ein geeigneter Ort und Menschen, die mitarbeiten wollten.

Ein Dorf wünscht sich eine eigene Kirche - ein Künstler hat einen Plan, eine Kirche zu bauen - oder besser zu pflanzen. Ist es Zufall oder Fügung, wenn beide sich treffen?


Der in Burkhards lebende Thomas Hofmann hatte die Idee für die Steinberger Weidenkirche. Er nennt sich schlicht einen Naturkünstler.
Weitere Werke, die er erdacht und gebaut - bzw. gepflanzt - hat: Der Weidendom in Burkhards und der Natur-Schulsaal und das begehbare Krokodil ( ein Kriechtunnel ) auf dem Gelände der Grundschule in Gedern/Ober-Seemen.

Gemeinsam mit seiner Frau Rita Kobel arbeitet er als Artist in dem Seiltanztheater "Luftgaukler".

Teil I Helfer gesucht

Nur wer selbst überzeugt ist, kann andere überzeugen.

Das Grundstück "Am Michels Rain" erschien auf Anhieb als der ideale Standort. Der Kirchenvorstand stimmte dem Vorhaben zu. Das Modell der Weidenkirche wurde der Gemeinde vorgestellt. Ein Bauausschuss übernahm die Organisation: Irma Langlitz, Katrin Reuß-Langlitz, Pipa Plock und Birgit Schmidt. Sie konnten - von der Idee begeistert und überzeugt - wiederum Dritte überzeugen und zum Mitmachen bewegen.

Setzt Euch füreinander ein, jeder mit seinen Fähigkeiten

Dieses Bibelwort beschreibt den Geist und die Stimmung beim Bau der Weidenkirche sehr treffend. Wir sind angetreten, um mit vielen Händen - und Köpfen - möglichst vieler Gruppen in Steinberg ein Gemeinschaftswerk zu errichten, das wiederum möglichst viele als eine Bereicherung ihres Lebensraums erfahren, sei es als Kirche oder als Kunstwerk oder als beides.
Dies ist gelungen Dank Thomas Hofmanns überzeugender Idee, seiner mitreisenden Vorarbeiterrolle und des unermüdlichen Einsatzes und des Teamgeistes der Steinberger.
Der Umfang der Arbeiten erforderte eine große Menge an Helfern. Früh stand fest: Wir feiern an Christi Himmelfahrt das Einweihungsfest. Der lange Winter brachte uns unter Termindruck. Umso größere Dankbarkeit und Wertschätzung empfinden wir für alle, die uns aktiv geholfen haben und für all die, die uns in dieser Sache auch moralisch unterstützt haben. Wir hatten ein gemeinsames Ziel, das wir mit den uns eigenen Fähigkeiten und Kräften verfolgt haben. Manchmal gab es verschiedene Vorschläge, wie man zu diesem Ziel gelangen könnte. Aber immer fanden wir einen gemeinsamen Weg.


Teil II Die Realisierung

Am 15. Februar 2003 zog die erste große Helferschar zum Niddaer Orbes, wo Kopfweiden geschnitten wurden. Die Ebnung des Baugrunds erfolgte Anfang März. Mit Hilfe von großen Erdbohrern entstanden auf der eingeebneten Baufläche große Pflanzlöcher. Am 22. März wurden die Weiden geplanzt. Zu diesem Zeitpunkt brauchte man Fantasie, um sich vorzustellen, wie das Werk am Ende aussehen könnte.
Nachdem die Weiden nach oben zur Kuppel, sowie nach rechts und links und stabilisierend zum Bogengang verflochten waren, nahm die Kirche Gestalt an und man hatte die endgültige Form deutlich vor Augen. Dann wurde der Innenraum verschönert: Es entstanden die Mauer mit den im Steinmetzkurs behauenen Sandsteinen und gesammelten Basaltsteinen, der Pflasterweg mit Mosaiken, Marmorsteinkreise um die Pflanzbeete. Altar und Taufstein wurden gesetzt.

Seit Februar unterrichtete der Künstler Steinberger Frauen im Weidenflechten und gab seine Erfahrungen in der Pflege von Werken aus lebenden Weiden weiter. Es entstanden schöne Körbe und andere Objekte, der Weidenzaun und das aus Weiden geflochtene Kreuz. Die Gruppe, die sich scherzend auch " die Weidenweiber " nannte, übernahm auch die Bewässerung der Weiden. Der Erfolg zeigte sich schon bald: Die Weiden trieben. Jetzt ist die Natur die Baumeisterin, die das von Menschenhand angelegte Kunstwerk vollenden wird. Die Weidenkirche wird in etwa zwei Jahren zugewachsen sein und Schutz vor Sonne und Regen bieten. Aber bereits jetzt ist sie eine sich ständig entwickelnde grüne Pracht. Ein Natur-Kunstwerk zur Ehre Gottes und seiner Schöpfung.


Teil III. Die Chance

Gottesdienste in der Steinberger Weidenkirche werden einen ganz besonderen Charakter haben: Hochzeiten und Taufen, die das Leben und das Entstehen feiern. Natürlich die Feier zu Christi Himmelfahrt! Schon von Beginn an haben wir bei den Arbeiten immer wieder überlegt, was in der Kirche veranstaltet werden kann, um sie mit Leben zu erfüllen und möglichst vielen Gruppen etwas zu bieten: Kindergottesdienste mit Bewegung und Tanz, Lied-Gottesdienste, Gesprächskreise, Konzerte und Lesungen für jung und alt, Meditationen....
Es bieten sich viele Möglichkeiten.
Bereits der Bau der Kirche hat in Steinberg einen Gemeinschaftsgeist heraufbeschworen. Die Menschen haben sie sich auf vielfältige Art und Weise zu eigen gemacht: Damit ist die Weidenkirche nicht nur im wörtlichen Sinne Gemeineigentum geworden. Menschen denken darüber nach, wie sie sie pflegen, verschönern, das Einweihungsfest gestalten, überhaupt mit ihrer Fantasie und Kreativität einen Beitrag leisten können.

Auf diese Weise bietet die Weidenkirche die Chance, Gemeinschaft zu (er)leben und ständig zu erneuern.

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