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Evangelische Kirchengemeinde Hirzenhain


Gedanken zum Sonntag – 18.07.2010 - Unter dem Schutz Gottes
von Gert Holle
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Ein Huhn und ein Schwein beschließen Zusammenarbeit. Das Huhn schlägt die gemeinsame Herstellung von Rührei und Speck vor. Das Schwein merkt schnell, was sein Beitrag an dieser gemeinsamen Produktion sein soll. Laut protestiert es: „Wo bleibt da die Chancengleichheit?“ Darauf das Huhn: „Für eine Zusammenarbeit müssen nun einmal Opfer gebracht werden!“
So einfach scheint das für die Hühner dieser Welt zu sein. Opfer – ja, aber: Auf wessen Kosten? Diese Frage stellt sich vor dem Hintergrund der kürzlich verkündeten Sparvorschläge der Bundesregierung. Sie stellt sich bei den Bemühungen der Kirchen, zukünftig mit weniger Geldern auskommen zu müssen. Sie stellt sich auch in unseren vier Wänden, wenn wir entscheiden sollen, was wir mit unserem Einkommen tun. Da haben wir meist noch den Überblick und haben ein Gefühl dafür, was gut und gerecht ist. Da gelingt es bei aller Härte zu sagen, ich verzichte auf die Anschaffung eines Fernsehers, damit mein Kind auf die Freizeit der Kirchengemeinde mitfahren kann.

Uns begegnen in unserem Leben so viele Hühner, denen wir fast wehrlos ausgeliefert scheinen. Die selber nur ein paar Eier hergeben als vermeintliche Opfer, den anderen aber das Fell über die Ohren ziehen. Partner sind wir für sie nur dann, wenn sie auf ihre Kosten kommen. Solange wir uns nicht wehren, nicht rechtzeitig protestieren. Denn wir sind aufeinander angewiesen! - Mir kommt der Unbekannte in den Sinn, der vor ein paar Tagen in meiner Bürotür stand. Ein nicht Sesshafter, wohnungsloser Nomade, Obdachloser, asozialer Bettler. Ein umherziehender Wanderer in einer Welt, in der ein fester Wohnsitz entscheidend ist. Für das Gelingen der eigenen Existenz. Ich höre mir seine Geschichte an, dass er ein paar Euro braucht, ein wenig Nahrung. Ein Mensch steht vor mir mit Sehnsucht und Träumen, mit seinem Versagen und Scheitern. Einer, der auf der Strecke geblieben ist, das Tempo der anderen nicht mitgehen konnte oder wollte. Wer zu langsam ist, den bezeichnet der Volksmund als „Schnecke“. Unter diesem harten Urteil der anderen kann er sich dann nur noch als Last empfinden. Immer im Weg. Ohne dass es vorwärts geht, im Gegenteil: Er bleibt zurück. Sich selbst überlassen. Von vielen übersehen. Ein Mensch, der aber genauso wie wir unter dem Schutz unseres Gottes steht, der einst zu Abraham sagte: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ Ich zücke meinen Geldbeutel und weiß, dass ich ihm für ein paar Stunden helfen, vielleicht einen Zufluchtsort anbieten kann. Mehr nicht.

„Es wäre besser an der Verhütung des Elends zu arbeiten, als die Zufluchtsorte für die Elenden zu vermehren“, sagte der französische Schriftsteller Denis Diderot bereits im 18. Jahrhundert. Doch haben wir seitdem nicht tatsächlich die Zufluchtsorte gemehrt und diese als Alibi dafür benutzt, nicht gerecht teilen zu müssen? - Als ich den Aufbau der Tafelarbeit in den 90er Jahren rund um den Hamburger Hauptbahnhof begleitete, hatte ich die Hoffnung, dass diese Hilfe auch dazu beiträgt, Menschen zu bewegen, gegen dieses Elend anzugehen. Mittlerweile gibt es 860 Tafeln in Deutschland, die zweifelsohne Not lindern. Doch das Elend hat tatsächlich im überbordenden Maße zugenommen.

Anne Frank schrieb: „Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu verändern.“ Weisen wir die Hühner dieser Welt in ihre Schranken - jetzt. Denn Leben wird nur dann menschlicher, wenn ich es gerecht mit den anderen teile. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Wochenende!