GlaubeAktuell - Wir im Netz




SUCHE







Startseite
Porträt / Rundgang
Lebendige Gemeinde
Termine und Veranstaltungen
Aktuelles
Wegweiser
Kontakt / Impressum
Evangelische Kirchengemeinde Hirzenhain


„Sie alle sind gute Botschafter“

.

Erschienen im Kreis-Anzeiger 3.07.2007


(Ulrichstein/gho) - In einer gemeinsamen Regionalsynode der evangelischen Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten wurden Perspektiven kirchlicher Arbeit in der Osthälfte des Wetteraukreises sowie in den Großgemeinden Schotten und Ulrichstein unter die Lupe genommen. In vier Arbeitsgruppen tauschten die Teilnehmer Erfahrungen aus, sprachen Entwicklungsmöglichkeiten an und beschäftigten sich mit den Ideen der Impulspapiere "Perspektive 2025" der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie mit "Kirche der Freiheit", dem Papier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das im Frühjahr in Wittenberg der Öffentlichkeit vorgestellt worden war.

.

Nachdem sich die Kirchenparlamentarier in einem Gottesdienst auf den Tag eingestimmt hatten, begrüßten Dekanin Sabine Bertram-Schäfer (Büdingen) und der Ulrichsteiner Bürgermeister Erwin Horst die Anwesenden im Innovationszentrum.

.

Horst wies auf die traditionelle Verbundenheit und die gemeinsamen Aufgaben von Kirche und Kommune hin und betonte, dass gerade Traditionen den Menschen Selbstvertrauen und Beheimatung geben würden. Kritisch bemerkte er, dass nahezu alles auf dem Prüfstand stünde, was Kommune und Kirche in langjähriger Zusammenarbeit vor allem im Sozial-, im Bildungs- und im Gesundheitswesen entwickelt hätten. Das Netzwerk zwischen Kirche und Kommune drohe zu reißen, weil es in vielen Bereichen nur und gerade noch durch die Ehrenamtlichen sowohl in Kirchengemeinden wie auch in städtischen Einrichtungen mit letzter Kraft erhalten werde.

Aufgrund der Umstrukturierungsprozesse, die aus finanziellen Engpässen erfolgten, würden sich die Menschen von der Politik ebenso wie von den Kirchen abwenden. „Wir müssen zu den Menschen gehen“ appellierte Bürgermeister Horst und warnte davor, die evangelische Kirche zu einer Servicestation zu degradieren. Die ureigentliche Aufgabenerfüllung dürfe nicht in ihrer Substanz gefährdet werden. Für den Verlauf der Regionalsynode wünschte Horst schließlich eine fruchtbare Aussprache.

Gert Holle, Öffentlichkeitsreferent in der Arbeitsgemeinschaft, verdeutlichte, wie dramatisch sich die Handlungsspielräume der Kirche verändert haben. Der Kontakt zur Kirche sei zunehmend individualisiert, eine starke Bindung zur Kirche sei abhängig vom jeweiligen Lebensraum. So würden Gespräche und ein Austausch über Glaubensfragen meist außerhalb von Kirche stattfinden. Die Bindung zur Organisation Kirche reiße ab, die Austrittsbereitschaft nähme zu und bedürfe oftmals nur eines kleinen Anstoßes. Bis 2025 solle nach Berechnung der Kirchenverwaltung der EKHN der Bestand um weitere 300.000 Mitglieder schrumpfen. Damit falle diese Prognose zwar günstiger aus als die der EKD, doch die Einflussmöglichkeiten auf die so genannte demographische Entwicklung seien gering. Nichtsdestotrotz hätten EKHN und EKD versucht, sich in ähnlicher Weise auf diese Situation einzustellen. Das EKD-Papier „Kirche der Freiheit“ orientiere sich in seinem Lösungsansatz an personellen Ressourcen und Managementstrategien. Die entscheidenden Bezugspunkte in „Perspektive 2025“ der EKHN seien die Ortsgemeinden und der Sammelbegriff „evangelisch“. Dieses Papier, so Holle, bekenne sich zu einer gesicherten Präsenz der Kirche in der Fläche. Keinem dieser Positionspapiere werde es aber gelingen, den Mitgliederrückgang und den damit einhergehenden Rückgang der Einnahmen aufzuhalten. Vielmehr, so das Fazit des Kommunikationsfachmanns, müsse es darum gehen, die Organisationsstruktur in verschiedene Richtungen zu überdenken. Durch eine stärkere Vernetzung einzelner Arbeitsfelder könnte die Strukturen beweglicher gestaltet werden.

In vier parallelen Arbeitsgruppen wurde die Veranstaltung fortgesetzt:

.

Unter dem Motto „Die gute Botschaft und das liebe Geld“ stellte Dr. Karin Lehmeier, Referentin für Ökumene in der Arbeitsgemeinschaft, alternative Finanzierungsmodelle vor Neben der Möglichkeit von Stiftungen und Kirchgeld wurden unter anderem auch die Praxis von Gemeindespenden diskutiert.

.

Möglichen Konsequenzen für die kirchliche Arbeit in der Region, die sich aus den Strategie-Papieren ergeben könnten, widmete sich die Arbeitsgruppe um Pfarrerin Ina Petermann, Inhaberin der Profilstelle Bildung, unter der Fragestellung „Am Puls der Zeit – Impulse für die Zukunft?“. „Wachsen gegen den Trend“ und „Stärkung des Ehrenamtes“ waren hier die Hauptthemen der Diskussion.

.

„Unsere Gegenwart – unsere Visionen: Kinder, Jugendliche und Familien in Kirche 2025“, so das Thema der dritten Arbeitsgruppe, die von den Pädagogen und Jugendreferenten Rita Stoll, Kornelia Brückmann, Hans-Joachim Adolph und Gerhard Griestock vorbereitet worden war. Die Teilnehmer der Runde bekamen Gelegenheit, ihre Vorstellungen von zielgruppenorientierter Arbeit in der Kirche einzubringen.

.

Mit der ermutigenden Frage „Wie kann ich die Zukunft der Kirche mitgestalten?“ hatte Pfarrer Thomas Philipp zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen und dabei die Aussage „Ich bin ein guter Botschafter!“ provokant in den Raum gestellt. . Jeder einzelne könne selbst etwas zur Zukunft der Kirche aktiv beitragen, so das Fazit von Philipp. Denn jeder, der sich von Gott angenommen und getragen weiß, sei „ein guter Botschafter“.

„Sie sind gute Botschafterinnen und Botschafter“, ermutigte Gert Holle denn auch in einer Rückschau auf den Tag die Synodalen. „Gehen Sie in Ihre Gemeinden und laden Sie Freunde, Nachbarn, Bekannte zum nächsten kirchlichen Veranstaltung ein. Sie haben eine gute Botschaft, die sie anderen mitteilen können – unabhängig davon, welche Szenarien sich am Ende durchsetzen. Sie haben die Freiheit, die gute Botschaft weiter zu tragen!“

 
 
.

(Ulrichstein/gho) – “Ich denke, wir sollten uns nicht so sehr zurückhalten, sondern vom Evangelium her Stellung beziehen in allen Fragen, die die Menschen in unserem Land bewegen!” Mit diesen Worten beschreibt Pfarrer Dr. Peter Möser (53) die Zielsetzung, der er nun als neuen Inhaber der so genannten Profilstelle für “Gesellschaftliche Verantwortung” in der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten folgt.

Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes zum Auftakt der jährlich einmal tagenden Regionalsynode der drei Dekanate wurde der Rainroder Pfarrer vom Schottener Dekan Wolfgang Keller am vergangenen Samstag in Ulrichstein in sein Amt eingeführt. “Mit Peter Möser wird ein Mann die Stelle bekleiden, der in den Bereichen der Arbeit mit Flüchtlingen und in der Hospizhilfe gezeigt hat, dass er mitten im Leben steht”, sagte Keller.
.

“Ich freue mich, dass wir nun in unserer Arbeitsgemeinschaft alle Fach- und Profilstellen besetzt haben.”


.

In einem Interview mit Öffentlichkeitsreferent Gert Holle gab Möser im Anschluss Auskunft darüber, wie er in dem Gebiet mit 72 Kirchen- und über 90 Ortschaften in zwei Landkreisen, Schwerpunkte setzen möchte. “Trotz der geographischen Ausdehnung von teilweise 75 Kilometern ist diese Region noch überschaubar. Meine Tätigkeit wird sich vornehmlich auf der Ebene von Gremien und in Einzelgesprächen vollziehen, wobei die Pfarrkonvente in unseren drei Dekanaten für die gegenseitige Kommunikaton sehr wichtig sind. Die Setzung von Schwerpunkten soll nicht so sehr meinen persönlichen Vorlieben folgen, sondern im Gespräch mit anderen entwickelt werden”, führte Dr. Möser aus. Zudem wolle er eine Arbeitsgruppe “gesellschaftliche Verantwortung” gründen, zu der interessierte und engagierte Personen aus allen Teilen der Dekanate hinzukommen könnten.

Für das erste halbe Jahr habe er sich eine Bestandsaufnahme vorgenommen, viele Gespräche mit kirchlichen Gremien, kommunalen Verantwortungsträgern und Institutionen auf Kreisebene sowie mit Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen. Für das Jahr 2008 könne er sich ein Schwerpunktthema wie “Erneuerbare Energien” vorstellen, das dann in verschiedener Weise behandelt werden könnte, z.B. in einem Symposion mit Experten, in einem thematischen Gottesdienst unter dem Motto “Unsere Verantwortung für die Schöpfung”, aber auch in Projekten mit Konfirmanden und Besichtigungen von Windparks und Biogas-Anlagen. Da er die Aufgabe als Referent für gesellschaftliche Verantwortung lediglich zu 50 Prozent neben seiner Gemeindepfarrstelle in Rainrod ausübe, wolle er zunächst nicht zu viel versprechen. Oft reichten Worte nicht aus und es müsse etwas konkret getan werden. So schlug Pfarrer Möser auch vor, die Kollekte dieses Gottesdienstes für die Flüchtlingshilfe einzusetzen, konkret für die Unterstützung einer Rechtsberatung für ausländische Jugendliche, deren Asylverfahren auf der Kippe stehe.

.

Dekanin Sabine Bertram-Schäfer, Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft, beglückwünschte Dr. Peter Möser mit einem Blumenstrauß und freute sich mit ihm am Ende des Gottesdienstes über einen Kollektenbetrag von knapp 318 Euro.

Erschienen im Kreis-Anzeiger 3.07.2007

 
 
 
 
 
 
3.07.2007
Gert Holle